Leseprobe - Kap. IX
„Sie sind hungrig und auf der Jagd. Es sind viele, wir sollten eine Konfrontation vermeiden. Besser ist es, wenn wir einen großen Bogen reiten“, sprach Eiborian mit Sorge in der Stimme. Vorsichtig und mit gespitzten Ohren ritten sie weiter. Das Wolfsgeheul war inzwischen nur noch in großer Entfernung zu hören. Eiborian blieb plötzlich stehen. „Es ist Rauch in der Luft, wir sollten absitzen und uns umsehen.“ Vorsichtig schlichen Eiborian und Genion voraus. Aldrian und die anderen beiden Elben folgten in geringem Abstand. Gregorr blieb bei den Pferden zurück, um sie ruhig zu halten.
Der Geruch wurde immer stärker, und knackendes Feuerholz war nun deutlich zu hören. Durch den dichten Nebel konnte man nur schemenhaft fünf Gestalten um ein Lagerfeuer sitzen sehen. Dann konnte man Stimmen hören. Es waren menschliche Stimmen und darunter auch tiefes Gegroll, wie es die Oger von sich geben. Aldrian schlich lautlos näher. Er wollte hören, was gesprochen wurde.
„Wir müssen die Gegenwehr beenden und diesen Fremden zur Strecke bringen. Die Cwards erzählten, dass es ein einziger Mann war. Es fiel ihnen auf, dass er einen langen Bart hatte und mit dem Bogen und den Pfeilen von Elben kämpfte. Elbenpfeile haben wir auch im Menschendorf gefunden. Jedoch wurde noch nie ein Elb mit einem Bart gesehen. Etwas stimmt hier nicht! Wir müssen zurück nach Vylan. Martoc muss von dem Fremden und den Geschehnissen dringend erfahren.“
Aldrian wusste nun, dass er gesucht wurde. Diese Fremden konnten den ganzen Plan gefährden! Martoc durfte die Nachricht von seiner Gegenwehr noch nicht erfahren. Aldrian schlich zurück, um die anderen zu benachrichtigen. Er berichtete kurz von den Worten, die er verstanden hatte.
„Lasst mich das machen“, sprach Moonargon. Er schlich näher und murmelte leise Worte, die er ständig wiederholte. „Kommt, meine Freunde, ihr müsst mir helfen!“, rief er plötzlich mit lauter Stimme. Aldrian zog blitzschnell sein Schwert und rannte zu der Feuerstelle. Doch er fand nur schlafende Gegner vor.
„Sie sind im Siebenschlaf. Für sieben Tage werden sie nun schlafen. Wenn sie erwachen, werden sie so geschwächt sein, dass sie drei Tage brauchen werden, um wieder zu Kräften zu kommen. Wir nehmen den Fremden die Waffen und die Pferde weg. Bis nach Vylan werden sie mindestens weitere drei Tage zu Fuß benötigen. Wir werden insgesamt dreizehn Tage Zeit haben, um deinen Plan umzusetzen“, sprach Eiborian zu Aldrian.
„Kannst du diesen Zauber bei jedem anwenden?“, wollte Aldrian wissen.
„Keineswegs, der Zauber wirkt nur bei Wesen, die der Magie nicht kundig sind. Selbst dann ist die Voraussetzung für die Wirksamkeit, dass die Betroffenen eng beieinander sind und nichts von dem Zauber bemerken. Zudem dürfen die Betroffenen nicht sonderlich abgelenkt sein. Es ist völlig unmöglich, den Zauber auf jemanden anzuwenden, der sich bewusst ist, dass ein Zauber auf ihn gesprochen wird. Dies ist bei sehr vielen Zaubersprüchen so, jedoch nicht bei allen“, erklärte Eiborian ausführlich.
Aldrian war froh, dass die Fremden noch am Leben waren. Es war keineswegs seine Absicht, eine blutige Spur durch das Land zu ziehen.
„Lasst uns weiterreiten, wir müssen unsere Zeit nutzen“, drängte er nun. Die Pferde der Fremden wurden in Richtung Grimmlaun gejagt, und die Reise ging weiter. Der Nebel lichtete sich allmählich, der Weg wurde nun sichtbar. Der Geruch von Sumpf, Moor und Fäulnis wurde zunehmend stärker.
„Wir können nur noch ein Stück reiten, dann müssen wir zu Fuß weiter“, informierte Eiborian seine Gefährten.
Die Bäume der Gegend sahen wie abgestorben aus. Skelette von Gublons und auch Pferden waren von Zeit zu Zeit zu sehen. Der Untergrund wurde immer weicher, und die Pferde hatten bereits große Mühe voranzukommen.
„Hier ist das Ende des Reitpfades, wir müssen absitzen. Es ist besser, wenn wir die Pferde hier lassen.
Falls Gefahr droht, finden sie den Weg zurück nach Grimmlaun allein. Nehmt alles aus den Satteltaschen, was ihr benötigt. Bleibt direkt hinter mir, der Weg ist sehr schmal“, warnte Eiborian und ging langsam voraus.
Die Stimmung wurde immer angespannter. Jeder versank in seine Gedanken und konzentrierte sich auf den Weg.
Eiborian blieb plötzlich stehen und hob langsam die Hand. Aldrian konnte deutlich sehen, wie sich etwas sehr Großes durch das Moor schlängelte.
„Seid vorsichtig, es gibt hier Paymanschlangen!“, rief Eiborian den anderen zu. Plötzlich hob sich etwas aus dem Sumpf. Es war eine riesige Schlange mit einem Kopf von der Größe eines Gublonschädels. Sie hatte übernatürlich große Augen und an der Seite ihres Maules konnte man lange Zähne erkennen. Sie ragte gute vier Schritt aus dem Morast und war sicherlich über fünfzehn Schritte lang. Ihr Rumpf war so dick wie der Oberschenkel eines kräftigen Mannes, und er war mit einem prächtigen Muster verziert. Die Schlange musterte die Gegend und tauchte dann blitzschnell wieder ab.
„Bewaffnet euch, sie hat uns wahrgenommen!“, rief Eiborian nach hinten. Plötzlich war ein Schrei zu hören. Es war Gregorr, neben dem die Schlange aufgetaucht war. Pfeilschnell schoss sie aus dem Morast und umwickelte ihn. Bevor die anderen reagieren konnten, wurde Gregorr in das Moor gezogen. Aldrian sprang ohne zu überlegen hinterher und zog sein Schwert. Eiborian und die anderen Elben hatten ihre Bögen gespannt. Aldrian stürzte sich genau auf die Stelle, wo die Schlange abgetaucht war. Er musste nicht lange warten, da tauchte sie wieder neben ihm auf. Gregorr war bereits bewusstlos und noch von dem Rumpf der Schlange umschlungen.
Aldrian hatte keinen guten Stand auf dem schlüpfrigen Untergrund, dennoch holte er aus und verpasste der Schlange einen meisterlichen Schlag. Sie bäumte sich auf und ließ einen unheimlichen Aufschrei hören. Gerade als Aldrian erneut ausholen wollte, hörte er ein pfeifendes Geräusch in der Luft. Zeitgleich durchschlugen vier Pfeile den Kopf der Schlange, die leblos in den Morast sank. Obwohl sie kein Leben mehr in sich hatte, war Gregorr noch von dem festen Griff gefangen. So sehr sich Aldrian auch bemühte, er konnte den Griff der Schlange nicht lösen. Eiborian erkannte die Situation und eilte mit elbischer Gewandtheit zu Hilfe. Ohne zu zögern zog er seinen Langdolch und zerschnitt die Muskeln der Schlange. Aldrian verstand die Absicht und zog ebenfalls sein Jagdmesser. Innerhalb weniger Augenblicken war Gregorr befreit. Sie trugen ihn auf den festen Pfad und Genion untersuchte ihn sorgfältig. „Er atmet nur noch leicht und seine Glieder wirken steif“, sagte Genion besorgt. Er drehte Gregorr vorsichtig auf die Seite und zog ihm seine Jacke herunter. Man konnte deutlich zwei Bisswunden unterhalb seiner rechten Schulter sehen. Es waren zwei Male im Abstand von beinahe zwei Handflächen. Sie hatten die Größe eines Daumennagels. Ringsherum war die Haut bereits blau und violett verfärbt. „Er ist vergiftet!“, rief Genion zu Eiborian hinüber. Eiborian griff in seinen Rucksack und holte eine kleine Flasche heraus. Er öffnete Gregorrs Mund und träufelte einige Tropfen der Flüssigkeit hinein. Gregorr musste heftig husten und erbrechen. Eiborian wiederholte die Prozedur und Gregorr begann allmählich ruhig und tief zu atmen. Genion beugte sich über ihn und sprach direkt in sein linkes Ohr die Worte:
„Chiewa, Chiewa, sana la wee!” Eiborian saugte das Gift aus Gregorrs Wunden und nahm danach selbst ein paar der Tropfen aus der Flasche zu sich. „Mehr können wir nicht für ihn tun. Der Rest liegt in der Macht der Natur. Wir können nur hoffen, dass das Gift nicht seine Lunge oder andere Organe lähmt“, erklärte Eiborian sorgenvoll.
„Er ist ein stattlicher Bursche, er wird es bestimmt überstehen“, sagte Genion aufmunternd.
„Wir müssen ihn schnell zu Jürdan bringen, vielleicht kann der noch mehr für ihn tun“, sprach Eiborian mit spürbarer Hoffnung in seiner Stimme. Genion und Eiborian trugen Gregorr den schmalen Pfad entlang. Aldrian und die anderen Elben beobachteten derweilen das Moor, um weitere Überraschungen zu vermeiden. Sie hatten ihre Bögen schussbereit in den Händen und folgten dem Pfad. Sie kamen an den großen Gruben vorbei, von denen Eiborian berichtet hatte. Fast alle Pflanzen und Bäume waren hier abgestorben. Auch der Fäulnisgeruch wurde immer unerträglicher. „Wir sind bald am Ziel“, rief Eiborian. Bald darauf war hinter einem abgestorbenen Wald eine Anhöhe mit einem Schloss zu sehen. Der Weg wurde hier zunehmend besser und auch der Gestank schien zu verfliegen. Als sie die Anhöhe hinauf kamen, konnten sie viele jener Wesen sehen, die Golems genannt wurden. Die Golems beachteten die kleine Gruppe nicht und standen wie angewachsen auf der Stelle. Ihre Augen waren leer und leblos. Ihre Gesichter wirkten teilnahmslos. 
Als sie vor dem Tor des Schlosses ankamen, wartete Jürdan bereits in der geöffneten Tür. „Seid gegrüßt und bringt den Verletzten schnell herein, ich werde versuchen, ob ich ihm helfen kann. Legt ihn in die Mitte dieses Kreises und bedeckt ihn mit diesem Tuch“, drängte der Alte mit rauchiger Stimme. Er deutete dabei auf einen großen Kreis am Boden, in dessen Mitte ein großes Pentagramm zu sehen war. Er gab Aldrian ein schwarzes Tuch, mit dem er Gregorr bedeckte.
„Tretet nun aus dem Kreis und setzt euch an den Tisch. Ich werde mein Möglichstes versuchen“, erklärte Jürdan konzentriert. An einen der fünf Zacken des Pentagramms stellte er eine brennende Öllampe. An den nächsten Zacken eine Wasserschale, dann eine Schale voller Erde und an den vierten Zacken stellte er ein leeres Gefäß, in das er hineinblies.
Er selbst stellte sich an den fünften Zacken und begann wie in versunkener Trance fremdartige Worte zu murmeln.
Die Öllampe brannte plötzlich höher, im Wassergefäß bildeten sich Wellen, in der Erdschale begann eine kleine Pflanze zu wachsen und in dem leeren Gefäß konnte man das Rauschen von Wind hören.
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