Leseprobe - Kap. V
Aldrian setzte sich neben das Feuer, stopfte sich seine Pfeife und sah tief in die Glut. Er lauschte dem Knistern des Feuers und den Worten seiner Freunde.
„Wir müssen uns künftig in Acht nehmen, wenn wir in kleinen Gruppen auf die Jagd gehen. Es ist die Zeit des Winteranbruchs und Martocs Heerscharen werden wieder umherziehen, um Vorräte zu plündern und Sklaven zu nehmen“, sprach Moonargon.
„Auch die Zwerge bewegen sich außerhalb von Cromlaun nur noch in großen, bewaffneten Gruppen, um bei Überfällen Widerstand leisten zu können“, fügte Eiborian hinzu.
„Die Menschen von Worrlach haben wohl die größte Not, sie haben nur wenige Krieger und schlechte Befestigungen. Seit Gedenken werden ihre Wintervorräte jedes Jahr von den Ogern und den Cwards auf ein solches Minimum geplündert, dass sie nur noch in größter Not den Winter überstehen“, erwähnte Genion sehr nachdenklich.
„Erzählt mir mehr über euere Feinde“, warf Aldrian in das Gespräch ein.
„Die Oger sind anscheinend nicht besonders schlau, auch wenn sie über stattliche Größe und Kraft verfügen. Die Cwards sind feige, jedoch sehr hinterlistige Krieger. Die Golems aus Moodra werden allein von Jürdan befehligt, der dem Lehm ein Leben ohne eigenen Verstand und ohne Seele geben kann. Die Golems sind nur in der großen Masse von Gefahr, da sie einen Mann zu Boden reißen können und auch geringe Kenntnisse in der Waffenkunst besitzen. Sie sind sehr langsam, doch vernichten kann man sie nur, wenn man sie gänzlich zerstört. Wenn Jürdan nicht mehr existieren würde, gäbe es auch keine Golems mehr“, erklärte Eiborian etwas beschämt. Es schien so, als ob er mehr über Jürdan wusste, als er hier erzählen wollte. Sein Blick schien verlegen zu sein, als er derartig über Jürdan sprach.
„Seit sehr langer Zeit werden Elben, Menschen und Zwerge überfallen, geplündert und versklavt“, fügte Moonargon hinzu.
Aldrian war sehr verwundert. Er hatte den Eindruck gewonnen, dass diese Welt hier voller Frieden und Harmonie war. Doch nach diesen Worten wurde ihm bewusst, dass es auch in dieser Zeit Krieg und Zwietracht gab. Er erinnerte sich an die alten Geschichten aus seiner Zeit. Auch Norion und andere Bewohner von Steppenwald hatten immer wieder Geschichten von Plünderungen und Versklavungen durch das Volk der Vylaner erzählt.
Er herrschte plötzlich tiefe Stille am Feuer. Jeder schien in seine eigenen Gedanken versunken zu sein. Plötzlich schoss es Aldrian wie ein Elbenpfeil durch den Kopf. „Warum lasst ihr euch dies alles gefallen?“, fragte er fast erzürnt.
„Die Heerscharen von Martoc und seinem Gefolge sind uns zahlenmäßig derart überlegen, dass wir Elben keine Möglichkeit für einen Sieg sehen. Zudem befehligt Martoc auch einen schrecklichen Drachen, der unsere Zauberkraft zu lähmen vermag und der einen Reiter samt Pferd mit einem Biss verschlingen kann“, antwortete Eiborian ersichtlich unruhig.
„Als die Zwerge vor vielen Jahren einen Widerstand versuchten, wurden viele getötet und ihr König Rondgrimm und einige andere verschwanden auf unerklärliche Weise“, fügte Genion mit traurigem Blick hinzu.
„Als die Menschen noch sehr zahlreich waren, führten auch sie Krieg gegen Martocs Gefolge. Zuerst sah es so aus, als ob Martoc an Macht verlieren würde. Doch plötzlich erschien der Drache und zerschlug die Reihen der Menschen. Es wird erzählt, dass der Drache auch die Gestalt eines alten Mannes annehmen kann, der über allerlei bösen Zauber verfügt. Seiner Zauberkraft soll es Martoc auch verdanken, dass er ein solch elbisches Alter erreicht hat“, erzählte Moonargon.
„Nur die Gimplinge, welche tief unter der Erde leben und nur äußerst selten gesehen werden, wurden noch niemals überfallen. Man erzählt sich, dass die Gimplinge die Macht der Pilze nutzen, um allerlei mächtigen Zauber zu bewirken. Sie ernähren sich von den Pilzen, heilen damit ihre Kranken und nutzen ihre Substanzen für magische Zwecke. Den Gimplingen ist der Krieg fremd. Sie leben in Frieden und erfreuen sich ähnlich wie die Zwerge an der Schönheit und der Kraft der Erze und Kristalle in ihrer Unterwelt. Sie hätten sicherlich allerlei Reichtümer, die für Martoc von Interesse sein dürften. Dennoch hat man noch nie von Konflikten zwischen Martoc und den Gimplingen gehört. Es scheint beinahe so, als ob Martoc Furcht vor diesen Bewohnern des Erdinneren hätte“, erzählte Eiborian sehr ausführlich.
Aldrian machte in seinen Gedanken ein altes Spiel, welches er von Onkel Alarion erlernt hatte. Die Regeln des Spiels waren sehr einfach. Von einer Geschichte, die man hörte, musste man alle wichtigen Wahrheiten und Elemente heraustrennen. Das Resultat waren dann die Informationen, mit denen man die gehörte Geschichte logisch betrachten konnte. Das Schöne an dem Spiel war, dass man dadurch eine andere und klarere Betrachtungsweise der Geschichte- sowie Antworten auf bestehende Fragen bekam. Aldrian wollte seine neuen Freunde mit in das Spiel einbeziehen, ohne dass es jemand merkte.
„Martoc ist also der Anführer der Oger, der Cwards, des Drachens und von Jürdan, der seinerseits die Golems lenkt?“, wiederholte Aldrian fragend.
„Ja, das ist richtig, doch er befehligt auch das Volk der kriegerischen und barbarischen Vylaner, dem er selbst entstammt“, ergänzte Eiborian.
„Die Zwerge verloren also die Schlacht und ihr König verschwand auf seltsame Weise?“, wiederholte Aldrian, erneut fragend.
„Ja, sie kämpften heldenhaft, doch es waren zu wenige gegen die große Überzahl der Feinde“, sprach Genion.
„Die Menschen konnten also als die Einzigen standhalten, bis der Drache kam und die Reihen zerschlug?“, wurde wieder von Aldrian als Frage formuliert.
„So ist es, die Menschen hätten es wahrscheinlich geschafft. Doch der Drache war zu mächtig. Auch die vielen Golems machten den Menschen zu schaffen, da keiner der Frühsterblichen wusste, wie man die Golems gänzlich zerstören kann“, sprach Moonargon mit traurigem Blick.
„Und ihr Elben wagt den Widerstand nicht, da der Drache eure Zauberkraft nimmt und euch somit zu verletzlich macht?“, fragte Aldrian fast ungeduldig.
„Es stimmt, wir und auch die anderen Elbensippen können den Widerstand nicht wagen, da wir ohne unseren Zauber zu sehr geschwächt sind. Wir wären einfach in der Unterzahl“, betonte Eiborian niedergeschlagen.
„Erkennt ihr nicht die Lösung?“, fragte Aldrian erwartungsvoll. „Ihr müsst euch mit den Zwergen und den Menschen vereinigen! Vereinigt euch gegen den übermächtigen Feind! Vernichtet zuerst die größten Hindernisse! Vernichtet Jürdan und ihr vernichtet auch alle Golems, vernichtet den Drachen und ihr vernichtet Martocs Macht über euren Zauber! Nur gemeinsam könnt ihr den übermächtigen Feind zerschlagen, der plündert, versklavt und das Leben von Untadeligen zerstört!“, sprach Aldrian mit einer Entschlossenheit, die ihm selbst sehr fremd erschien.
SCHLIESST EIN HEILIGES BÜNDNIS!,  fügte er mit Nachdruck hinzu.
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