Leseprobe - Kap. X
Die Stadt hatte weder eine Ummauerung noch Türme, um Ausschau zu halten. Für Angreifer war diese große Ansiedlung ein gefundenes Fressen. Als sie dort ankamen, war es bereits spät am Abend und sie mussten Unterkunft in einer Herberge suchen. Gregorr kannte sich dort bestens aus und führte sie in das Gasthaus ZUM KÜHLEN SCHANK. Als sie hereinkamen, saßen an vielen Tischen noch Gäste, und es wurde in feinster Manier musiziert. Eine freundliche junge Frau begrüßte die Neuankömmlinge und wies ihnen einen leeren Tisch zu. Da die sechs Freunde schwer bewaffnet waren, sorgten sie für Aufsehen in dem großen Schankraum. Auch dass nun Elben anwesend waren, sorgte für reichlich Gesprächsstoff unter den Anwesenden. Die Elben kamen sonst nur zum Handel nach Hohrat. Gasthäuser waren für sie eigentlich tabu. Nur für diesen wichtigen Anlass wollten sie eine Ausnahme machen. Als die Bestellungen aufgenommen wurden, gab es lautes Gelächter unter den nahe sitzenden Gästen. Die Elben bestellten nur Wasser und Aldrian begnügte sich mit Tee. Nur Gregorr bestellte sich ein Hohrater Zapf. Es war ein kühles Gebräu aus verschiedenen Getreidesorten, das durch Gärung zu einem Trunk wurde, der die Sinne eines Mannes schnell verwirren konnte. Nur Zwerge vertragen dieses Gebräu Gerüchten zufolge fast ohne Wirkung in sehr großen Mengen. Die Bestellung wurde schnell gebracht, und das Geschwätz der Leute aus dem Hintergrund wurde immer heftiger. Gregorr war bereits ziemlich verärgert, doch Aldrian und die vier Elben ignorierten das Geschwätz der Fremden einfach.
Diese Reaktion machte die Schandmäuler noch wütender. Einer der Fremden gesellte sich ohne zu fragen an den Tisch der sechs Freunde. Er begann, komische Grimassen zu den Elben zu ziehen, wobei er immer seine Ohren spitz nach oben zog und sein Schauspiel selbst sehr belustigend fand. Es war ein Mann von etwa vierzig Jahren. Er war sehr groß und kräftig gewachsen und allen anderen am Tisch an Statur weit überlegen. Er hatte sehr kräftige Arme und sein Kreuz war beinahe so breit wie ein Türeingang. Er trug ein Kurzschwert und einen Dolch bei sich. Seine Augen waren strahlend blau und sein Haar war lang. Mehrere Zöpfe zierten sowohl sein Kopfhaar wie auch seinen langen Bart. Da jedoch keiner am Tisch von seiner Erscheinung und von seinen Grimassen beeindruckt war, wurde der Fremde handgreiflich und zog Eiborian an einem seiner Ohren. Eiborian wollte die Hand des Fremden gerade entfernen, da hatte er bereits die zweite um seinen Hals. Eiborian rang nach Luft, und die anderen wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Aldrian sprang auf und sprach: „Ihr scheint viel Kraft zu haben, getraut Ihr Euch ein Spielchen gegen meinen Arm?“, fragte Aldrian provozierend.
Der Fremde ließ Eiborian los, der bereits eine Hand an seinem Dolch hatte.
Der Fremde fing an zu lachen und antwortete: „Ein Spielchen gegen deinen Arm? Herausreißen werde ich ihn dir“, prahlte er.
Die Umherstehenden riefen nun auch die Gäste aus dem hinteren Schankbereich: „Kommt schnell, ein Gast will Burwall zum Armdrücken fordern!“
Aldrians Freunde machten Platz am Tisch und gesellten sich zu den umstehenden Gästen. Die Musik verstummte, alle Gäste waren um den Tisch versammelt. Einige stellten sich gar auf Stühle und Tische, um das Schauspiel zu beobachten. Es herrschte plötzlich absolute Stille im Schankraum.
„Um was willst du spielen, kleiner übermütiger Mann?“, fragte Burwall.
„Wenn ich gewinne, dann bezahlst du bis zum Schankschluss die gesamte Zeche aller Gäste, einschließlich die des Dienstpersonals. Wenn ich verliere, werde ich dir mir meine goldene Drachenkette und die Ohren meines Freundes überlassen“, entschied Aldrian wie selbstverständlich.
Eiborian war sichtlich erschrocken und dachte schon an Flucht, doch Aldrian zwinkerte ihm beruhigend zu.
„Das ist ein gutes Geschäft, ein paar Elbenohren wollte ich schon immer an meiner Kette tragen“, protzte Burwall. Er bestellte sich noch schnell ein Hohrater Zapf und nahm es in seine linke Hand.
„Wollt Ihr nun trinken oder spielen?“, fragte Aldrian gelangweilt.
„Dieses Zapf werde ich gemütlich nebenher trinken, denn es wird wohl nicht sehr lange dauern“, prahlte Burwall.
Der Wirt der Schankstube kam hinzu, um Schiedsrichter zu spielen.
Er legte die Hände der Kontrahenten zusammen und gab das Startzeichen. Die Arme bewegten sich nicht einmal um Haaresbreite. Aldrian griff plötzlich mit der anderen Hand in seine Jacke. Er holte seinen kleinen Lederbeutel heraus und begann mit einer Hand, seine Pfeife zu stopfen. Er steckte die Pfeife in den Mund und entzündete sie an einer nahe stehenden Kerze. Genüsslich zog er daran und blies den Rauch gelassen in Burwalls Richtung. Burwall blickte fassungslos und seine Halsadern schienen beinahe zu platzen. Aldrian sah zu den Gästen und sagte, dass sie sich schon mal das erste Getränk auf Burwalls Kosten bestellen könnten. Burwall versuchte nun deutlich Druck zu machen, doch Aldrians Arm bewegte sich nicht. Aldrian legte ganz langsam an Kraft zu und drückte Burwalls Arm sanft auf den Tisch.
Burwall sprang auf, ging zu dem Wirt und übergab ihm einen Beutel mit Goldstücken. Ohne ein Wort verließ er den Schankraum und schmiss die Tür krachend hinter sich zu. Die anderen Gäste applaudierten und bestellten sich ihre kostenlosen Getränke.
Aldrians Freunde setzten sich wieder und Eiborian rieb sich seine Ohren. „Woher wusstest du, dass du gewinnen wirst?“, wollte Eiborian dringend wissen.
„Dieses Spiel brachte mir unser Dorfschmied in meiner Zeit bei. Er war diesem Kerl an Statur noch deutlich überlegen und er hatte Arme, so dick wie die Schenkel eines kräftigen Mannes. Er gewann nur dreimal gegen mich, dann verstand ich die Tricks in diesem Spiel. Durch das häufige Schmieden wurden meine Arme gestählt. Doch genauso wichtig wie die Kraft ist die richtige Technik!“, sagte Aldrian selbstbewusst. Eiborian war trotz dieser Worte seines Freundes sichtlich froh, dass dieses Kräftemessen beendet war.
„Kommt Freunde, lasst uns Spaß haben!“, rief Aldrian und holte seine alte Flöte aus der Tasche. Er gesellte sich zu den Musikanten und begann zu spielen wie ein junger Gott. Er tanzte während seines Flötenspiels umher und auch die anderen Gäste eiferten ihm nach.
„Hört nur, er spielt wie ein leibhaftiger Elb“, bemerkte Genion überrascht. Auch die Elben ließen sich von der wundersamen Melodie mitreißen und stimmten ein altes Elbenlied an, welches sehr schön mit dieser Melodie harmonierte. Elben haben besondere Gesangstimmen, die einen Zuhörenden in die Welt der Träume versetzen können.
Gregorr hatte inzwischen eine Tanzpartnerin gefunden und tanzte zu der Melodie. Es war bis zu dem Augenblick ein fröhliches Fest, als plötzlich die Tür aufschlug und Burwall mit einigen anderen Burschen den Schankraum betrat. Sie waren alle bewaffnet und Burwall schrie durch den Raum: „Wo ist dieser Fremde? Bringt ihn sofort zu mir!“
Die Musik verstummte auf der Stelle und die Gäste traten beiseite.
Rollenspiel Seminar:
 
Werbung
 
Meine Spieleschmiede:
 
Spielegilde:
 
 
Heute waren schon 1 Besucher (18 Hits) hier!
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=