Teil II - Kap. 24
Aldrian machte eine kurze Pause, sah um die große Runde und sprach dann angespannt weiter. „Doch dies wird nicht immer so bleiben. In sieben Jahren wird ein fremdes Volk über die Grenzen von Farlaun hereinbrechen. Es ist ein barbarisches Volk, welches nur geringe Achtung vor dem Leben hat. Sie brennen alles nieder und sie schlachten ihre Feinde wie Vieh. Ihre Weiber stehlen die kleinen Kinder und töten deren leiblichen Mütter. Angst und Schrecken wird sich über das Land verbreiten, wenn wir nicht vorbereitet sind!“
Die Gesichter der Zuhörer zeigten Furcht. Noch vor zwei Tagen war Aldrian vergnügt gewesen und hatte keinerlei Anzeichen einer schlechten Nachricht verraten.
Martoc war der einzige Zuhörer, der sich getraute, eine offene Frage zu stellen. „Verzeiht mir bitte meine Frage, doch woher wisst Ihr, was in sieben Jahren geschehen wird?“
Aldrian konnte Martocs Frage gut verstehen und antwortete: „Jeder hier kennt die Geschichten über die Gimplinge. Manche, die bei der letzten Schlacht dabei waren, konnten sogar einen leibhaftigen Gimpling sehen. Es war jener kleine Bursche, der den Drache blendete und uns somit zum Sieg verhalf. Er war es auch, der den Karfunkel von Myhraan an sich nahm und damit verschwand. Das Reich der Gimplinge erstreckt sich hier überall unter dieser Gegend und ich vermag nicht zu sagen, wie weit. Vor einem Jahr traf ich durch Zufall bei einem Gefecht mit Ogern, Cwards und Menschen auf diesen kleinen Burschen, als ich im Unterholz Schutz suchte. Er stand plötzlich hinter mir und lachte äußerst neckisch, als er mich sah. Er sah sehr freundlich aus. Da er nicht mit mir sprach, warf ich ihm meinen Ohrring zu. Er nahm den Ohrring sofort und heftete ihn an eines seiner langen Ohren und lachte erneut. Dann rannte er blitzschnell in das Unterholz und war verschwunden. Ich erzählte lange Zeit niemandem davon. Ich war überzeugt, dass mir niemand glauben würde. Erst als mir Jürdan etwas über diese scheuen Wesen erzählte, berichtete ich ihm mein Erlebnis. Jürdan erzählte von der Macht der Gimplinge. Er sprach auch davon, dass jede Generation einen besonders magiebegabten Gimpling hervorbringt.“
Jürdan nickte zustimmend und Aldrian sprach weiter.
„Wenige Tage nach Jürdans Geschichte ging ich zurück zu der Stelle im Wald, wo ich diesen kleinen Burschen gesehen hatte. Viele Stunden suchte ich nach einem Loch im Boden, doch ich konnte nichts finden. Ich entzündete ein Feuer und rauchte ein Pfeifchen. Zufällig sah ich, dass der Rauch zügig in einem Baumstamm verschwand und wurde neugierig. Ich erklomm den Stamm und fand ein großes Baumloch vor. Das Loch war so groß, dass ich hineinsteigen konnte. Es ging weit in die Tiefe hinab. Nach wenigen Schritten wurde der Untergrund glatt und ich rutschte auf lustige Weise hinab. Dies war mein erster Besuch in diesem wunderbaren Reich und ich lernte dort Gymbal kennen. Er ist der Magiebegabteste seines Volkes. Er ist zudem sehr weise und geheimnisvoll. Damals war ich dort, um nach Hilfe für die Schlacht zu fragen. Doch es ist Gesetz bei den Gimplingen, dass sie nicht töten dürfen, wenn sie nicht selbst von der Gefahr betroffen sind. Dennoch erwähnte Gymbal, dass sich vielleicht ein Freiwilliger finden wird, der mir seine Dienste aus freien Stücken zur Verfügung stellen würde. Dieser Freiwillige war jener kleine Bursche bei der Schlacht, der den Drachen einfach blendete und somit nicht gegen seinen Codex verstieß. Einige Zeit danach war ich erneut mit Alayrah in diesem Reich und Gymbal erzählte uns von der herannahenden Gefahr. Ich bin davon überzeugt, dass seinen Worten zu glauben ist. Er sagte uns auch, dass wir nur den Ältesten und Redensführern von dieser Vorhersage berichten sollten. Ich wollte nun die Entwicklungen des ersten Jahres abwarten und es euch dann berichten. Aus diesem Grunde sind wir jetzt und heute hier.“
Es wurde wild durcheinander geredet und Aldrians Geschichte wurde von vielen in Frage gestellt.
Rongriss stand auf und sprach zur ungläubigen Menge: „Ich glaube Aldrians Worten in vollem Umfang. Es gibt jedoch eine einfache Möglichkeit, seine Aussagen unter Beweis zu stellen oder zu wiederlegen. Ich werde nun die Steine befragen und jeder Magiekundige sollte sich dazugesellen.“
Aldrian freute sich über die Unterstützung von Rongriss. Er konnte jedoch auch die Zweifler verstehen, da seine Geschichte nicht sehr glaubhaft klang.
Rongriss griff in ihre Tasche und holte einen alten ledernen Beutel hervor. Sie öffnete den Beutel und sprach wie in Trance seltsame Formeln vor sich hin. Plötzlich nahm sie die mit Zeichen gravierten Steine in die Hände und schüttelte sie. Mit Schwung warf sie die Steine vor sich auf den Boden und kniete sich selbst nieder. Mit starrem Blick sah sie auf die Zeichen. Plötzlich schüttelte sie sich derartig, als ob ein bösartiges Sumpffieber sie heimgesucht hätte. Sie hob ihre Arme sehr lange in die Höhe und brach unter einem heftigen Schreikrampf zusammen.
„Helft mir, wir müssen sie auf einen Stuhl setzen!“, rief Aldrian mit lauter Stimme.
Grummlor eilte sofort herbei und trug Rongriss gemeinsam mit Aldrian auf ihren Sitzplatz zurück. „Sie muss etwas sehr Schreckliches gesehen haben! Noch niemals zuvor bekam sie einen derartigen Anfall“, sprach Grummlor sehr besorgt.
Auch die anderen Anwesenden waren besorgt und brachten frisches Wasser. Grummlor füllte das Wasser in einen Becher und beträufelte langsam den Mund von Rongriss. Mit einem tiefen Seufzen kam sie langsam wieder zu sich. Sie schüttelte sich und trank den Rest des Bechers aus.
„Was haben dir die Steine gesagt, alte Seherin?“, wollte Paraymoon wissen.
Rongriss wischte ihre Lippen ab und sprach: „Aldrian sprach die Wahrheit! Flammen und Tod konnte ich sehen! Schreiende Kinder und Frauen, umgeben von Feuer und Rauch! Drachen flogen über unsere Städte und Siedlungen und auf ihren Rücken saßen fremdartige Reiter, die brennendes Öl hernieder warfen. Unzählige Krieger ritten durch die brennenden Überreste und meuchelten die Überlebenden! Der Feind ist sehr mächtig und nicht aus diesem Land. Die Männer und Frauen tragen schwarzes Haar und haben kalte Augen. Ihre Weiber stehlen die kleinen Kinder und töten unsere Frauen. Sie ziehen wie ein wilder Sturm über unser Land.. Sie trieben unsere Krieger wie Vieh zusammen und versengten sie mit der Feuerglut ihrer Drachen. Es waren riesige Scharen von Reitern, welche die restlichen Überlebenden zerschlugen und sich mit ihren Knochen und Schädeln zierten. Sie kamen jedoch nur beim Einbruch der Dunkelheit, ganz so, als ob sie im Dunkeln sehen könnten.“
Nun zweifelte niemand mehr an Aldrians Worten. Das Wort von Rongriss war heilig und noch niemals waren ihre Prophezeiungen falsch gewesen. Es war Angst in den Gesichtern der Anwesenden zu sehen, Angst vor der nahenden Zukunft.
„Was sollen wir nur tun?“, wollte ein Redensführer aus Salurwall wissen.
Aldrian ging wieder in die Mitte des Burghofs und sprach weiter: „Wir haben noch sieben Jahre Zeit. Sieben Jahre, die wir gut nutzen sollten! Wir müssen uns sichere Befestigungsanlagen erbauen. Wir müssen einen Weg finden, uns gegen die Feinde gemeinsam zu wehren. Türme und Mauern werden uns vor dem Reitervolk schützen, doch die Gefahr ist damit nicht gebannt. Wir müssen uns der Drachen erwehren, von denen Rongriss sprach!“
„Ja, die Drachen, es sind sehr viele an der Zahl!“, warf Rongriss ein.
„Was sind das für Drachen? Die alten magiebegabten Drachen sollen doch nur noch sehr wenige sein! Viele erzählen sich sogar, dass selbst die letzten ausgestorben sind oder den Angriffen von Feinden zum Opfer fielen“, bemerkte ein Mitsprecher aus Hohrat.
Martoc stand auf und äußerte sich: „Wir dürfen Myhraan nicht vergessen! Er selbst war einer jener magiebegabten Drachen, die Schrecken über die Völker brachten. In Menschengestalt berichtete er mir vor langer Zeit, dass es noch vielerlei Arten von Drachen gäbe. Er erwähnte auch, dass nicht alle der Magie kundig sind. Vielerlei Drachen sind einfache Getiere von gewaltiger Kraft, jedoch ohne Weisheit und ohne höheren Verstand. Es soll sie in den verschiedensten Größen geben. Diese Drachen leben so wie Adler von der Jagd und kennen keine Sprachen in unserem Sinn. Nur wenige Drachenarten haben die Talente der Magie und der Weisheit entwickelt. Die niederen Arten leben in Gemeinschaften. Die weisen Drachen hingegen waren fast immer Einzelgänger. Ihr Krieg mit den anderen Völkern begann, als diese immer zahlreicher wurden. Es war letztlich ein verbitterter Kampf um Nahrung und Land, der zum Zorn und Hass der Drachen führte. Viele Drachen wurden von den Elben, Menschen und Zwergen gejagt und mit gemeiner List getötet. So wurden es immer weniger, und der Hass der Drachen wurde immer größer. Am Ende konnten nur die mächtigsten Drachen überleben.
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