Leseprobe-Kap. I
Nun trugen auch die anderen Gäste ihre Geschenke herbei, und Aldrian traute seinen Augen nicht. Da waren kunstvolle Stiefel aus weichem Wildleder und dazu passend eine Hose mit Weste. Auch Schalen wurden herbeigetragen und anderes getöpfertes Geschirr in Hülle und Fülle.
Seine Tanzpartnerin steckte ihm einen wunderschönen goldenen Ohrring an, den ihr Vater von einem fremden Zauberer als Gegenleistung für ein großes Stück allerbestes Rauchfleisch eingetauscht hatte. Ein kurzer stechender Schmerz durchfuhr ihn, als Layrah den Ring an sein Ohr heftete.
Er war von kunstvoller Machart und mit seltsamen Zeichen verziert, die jedoch keiner Schrift entsprachen, die er jemals zuvor gesehen hatte. Als er in Layrahs Augen sah, war der Schmerz jedoch sofort vorüber.
Als Nächster trat Alarion hervor und übergab ihm eine gewickelte Rolle aus prächtigem Wolfsfell. „Mach es auf“, sagte Alarion mit verheißungsvoller Stimme. Die Gäste warteten voller Ungeduld, denn Alarion war für Überraschungen bekannt. Aldrian wickelte den Wolfspelz langsam auf und der Pelz nahm immer mehr die Form eines edel gearbeiteten Mantels an. Es war jedoch nicht der Mantel allein, der die Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Innern verbarg sich einen Bogen aus den Hörnern eines Gublons, einer jener Büffel, die alle sieben Jahre ihr prachtvolles Gehörn verlieren, welches bestens zur Erstellung von meisterlichen Bögen geeignet ist. Seltsam war jedoch, dass seit vielen Jahrzehnten niemand mehr einen Gublon gesehen hatte und die Menschen aus Steppenwald diese Bögen nur aus den alten Legenden kannten. Es wurde auch erzählt, dass es nur die geschicktesten Elben aus frühen Zeiten verstanden, die beiden Hörner zu verbinden und dazu spezielle Sehnen drillten, um diese Bögen zu bespannen.
Ein erstauntes Raunen ging durch die Menge. Nicht nur, dass dieser Bogen genau den Beschreibungen der Ältesten entsprach, nein, er war auch von solcher Schönheit, dass beinahe Neid unter manchen Gästen aufkam. Auch ein Köcher mit Gurt und vielen kunstvoll gearbeiteten Pfeilen war in dem Mantel verborgen. Niemand aus der Menge traute sich zu fragen, woher dieser Bogen wohl stammte. Eines war jedoch ganz klar, es war ein kunstvolles Meisterstück!
Alarion trat hervor und sprach mit nachdrücklichen Worten: „Spanne diesen Bogen!“
Aldrian benötigte all seine Kraft, um die Sehne an ihr Ziel zu führen.
„Schieß nun auf diesen dünnen Pfahl, der dort hinten auf der Lichtung steht. Triff den hellen Punkt, den man in der Mitte sehen kann!“, forderte Alarion.
Über Aldrians Wangen kam ein ungläubiges Lächeln. Der genannte Pfahl war so weit entfernt, dass ein gewöhnlicher Bogen ihn wohl nicht erreichen konnte, auch nicht bei Rückenwind! Zudem konnte Aldrian den genannten hellen Punkt auch bei größter Anstrengung seiner ausgezeichneten Augen nur sehr vage erkennen.
Als Alarion sein Zögern bemerkte, sagte er: „Worauf wartest du? Willst du etwa, dass sich der Pfahl zu dir bemüht?“
Ein Lachen ging durch die Menge und Aldrian fühlte sich etwas beschämt. Voll Zorn spannte er kraftvoll den Bogen und legte auf den Pfahl an. Man hörte nur ein pfeifendes Schwirren in der Luft und beinahe zeitgleich das Brechen von Holz.
„DAS IST ES! Nun bist du ein Mann“, rief Alarion laut. Es war ein meisterlicher Schuss, mit einem meisterlichen Bogen. Alarion rannte los und holte den Pfahl zu den Gästen. Der Pfeil durchdrang genau die helle Stelle, welche nicht größer als die Handfläche eines kleinen Kindes war.
Ein erstauntes Raunen ging durch die Menge.
Holdron der Jäger fragte Aldrian, ob er auch einen Pfeil versuchen dürfe, um einen nahe stehenden abgestorbenen Baum zu treffen. Natürlich willigte Aldrian freundlich ein, doch Holdron konnte den Bogen nicht spannen, ganz gleich, wie sehr er sich auch bemühte. Nach einigen Fehlversuchen sagte dann auch er: „Wahrlich, mein Freund, nun bist du ein Mann! Auch ich habe ein Geschenk für dich“, betonte Holdron voller Spannung und reichte Aldrian ein wunderschönes Messer mit lederner Scheide, welches sowohl zum Wurf als auch zum Schnitt bestens geeignet war.
Aldrian stieg nun selbst auf den Tisch und sprach zu allen Freunden und Bekannten von Steppenwald: „Habt Dank, meine lieben Freunde. Ich weiß nicht, wie ich mich bedanken soll, für all diese wunderbaren Geschenke!“
„Ich hätte da schon eine Idee! Spiele uns eines deiner wundersamen Lieder auf deiner ebenso wundersamen Flöte“, neckte Rupplin, der jüngste Sohn des Schmieds, der auch ein guter Freund von Aldrian war. Natürlich stimmte Aldrian mit Freude zu, denn er tat nichts lieber, als voller Freude und Leidenschaft auf seiner Flöte zu spielen. Die Gäste waren entzückt und begannen wieder mit fröhlichem Tanz. Auch die anderen Musikanten konnten sich nicht mehr halten und stimmten beschwingt mit ein.
Plötzlich rief Alarion mit lauter Stimme: „Haltet ein, ich höre eine Kutsche mit zwei Pferden!“
Außer Alarion hörte jedoch niemand etwas, doch schon bald sollte seine Aussage sich bestätigen.
“Wartet, wartet, meine Freunde, ich musste noch etwas besorgen!“, rief eine alte und tiefe Stimme. Es war Norion, der wohl älteste Bewohner von Steppenwald. Er war noch außerordentlich rüstig und geistig rege für sein ersichtlich hohes Alter, über das er nie genaue Auskunft gab.
„Wo ist Aldrian?“, fragte er hastig.
„Hier bin ich“, antwortete der.
„Bei uns hier in Steppenwald gehört man ab dem 22. Lebensjahr zu den Erwachsenen. Zu diesem Anlass wollte ich dir ein würdiges Geschenk überreichen. Da, nimm schon, mein Freund“, drängte Norion und übergab Aldrian einen ledernen Schnürbeutel. Voller Spannung warteten die Gäste auf den Inhalt. Auch Alarion war sichtlich gespannt. Aldrian öffnete den Beutel, und es befand sich eine handgeschnitzte hölzerne Pfeife darin, die im Pfeifenkopf mit Ton beschichtet war.
Dabei lagen ein Stopfer und jede Menge Tabak, der sehr kostbar und in dieser Gegend nicht erhältlich war, was wohl auch die Verspätung von Norion erklärte.
„Nun komm schon, junger Mann, stopf dir ein Pfeifchen!“, rief Norion mit einem beinahe verschmitzten Lächeln.
„Nun denn, lieber Freund, ich will es versuchen“, erwiderte Aldrian erwartungsvoll. Er stopfte zur Verwunderung aller Anwesenden die Pfeife so gekonnt, als ob er sein Leben lang nichts anderes getan hätte. Er griff sich einen Ast aus dem Feuer und steckte die Pfeife an. Mit vollen Zügen genoss er das Aroma des Rauches. Norion und Alarion waren sehr verwundert. Norion hatte ein kräftiges Husten erwartet und Alarion wusste, dass Aldrian noch niemals zuvor den Rauch von Tabak inhaliert hatte.
„Zur Heilung gibt es etwas her, doch rauchen sollte man dieses Kraut lieber nicht, nein, rauchen sollte man es wahrlich nicht“, betonte Alarion.
Norion sagte nur: „Spielverderber.“ Er hatte sich so sehr auf den sonst üblichen Hustanfall gefreut, den jeder Anfänger üblicherweise bekommt. Nur Zwerge sollen laut alten Legenden niemals husten, wenn sie ihr erstes Pfeifchen rauchen. Doch schließlich war Aldrian kein Zwerg, auch wenn er den kräftigsten und schönsten Bart von ganz Steppenwald besaß. Aldrian freute sich sichtlich über das Geschenk, was Norion trotz des ausbleibenden Hustens sehr beglückte.
„Das Essen ist bereit!“, rief Ladaya aus dem Hintergrund. Sie war die Tochter des Waldwirtes und mit der Zubereitung von Speisen bestens vertraut.
Aldrian verzog sich in die Hütte und schmückte sich mit allen Geschenken, die man am Körper tragen konnte. So war es der Brauch seit vielen Generationen in Steppenwald. Mit seinen Stiefeln, den ledernen Kleidern, dem Wolfsmantel und all den Waffen, nicht zu vergessen dem Ledersack mit Pfeife und Zubehör, wirkte er wie ein stattlicher Krieger oder gar wie ein junger Prinz. Die Gäste bewunderten ihn sehr und auch Alarion sah ihn mit würdigenden Blicken an, so, wie man einem Edelmann huldigt.
„Wie soll ich nur essen, mit all diesen Dingen an meinem Leib?“, fragte Aldrian mit ernster Sorge in der Stimme.
Die Gäste konnten das Lachen nicht unterdrücken, und bald war der würdige Auftritt vergessen. Alle widmeten sich dem reichlichen Mahl und den kühlen Getränken.
Da einige der mitgebrachten Getränke vergoren waren, brach bald eine gelassene Heiterkeit aus.
Nur Alarion schien noch immer nicht in Stimmung zu sein und kümmerte sich derweilen um das große Feuer.
Alte Geschichten wurden ausgegraben und natürlich auch einige über Aldrian. Gesprochen wurde von Aldrians Geschick bei der Jagd und seinem vertrauten Umgang mit allen Tieren in Steppenwald. Sein Talent in der Waffenkunst war weit bekannt. Regelmäßig übte er die verschiedensten Kampftechniken mit den unterschiedlichsten Waffen.
Auch sein Wissen über alten Schriften, Sterne und Mineralien kamen voller Achtung zur Sprache.
Selbst in der Heilkunde war er äußerst versiert. Er heilte mit der Unterstützung seines Onkels schon so manche Bewohner von Fieber und Verletzungen. Seine Hilfsbereitschaft in allen Dingen trug zu seiner Beliebtheit bei. Doch auch sein aufgewecktes und humorvolles Wesen, das von einer erstaunlichen Weisheit begleitet war, sorgte für große Zuneigung unter allen Steppenwäldlern. Als Aldrian den schmeichelnden Worten lauschte, wurde ihm eines bewusst. Ohne seinen Onkel Alarion wäre er nicht derselbe junge Mann geworden, der er heute war. Alarion war in den letzten siebzehn Jahren mehr als nur ein Onkel für ihn gewesen. Er war sein Lehrmeister in vielen Dingen, ein guter Freund und beinahe wie ein leiblicher Vater. Ja, wer mochte wohl sein Vater sein, dieser Gedanke bewegte ihn von Kindheit an. Doch auch seine Mutter Loana hatte er niemals vergessen. Er wollte als Kind kein Trauerfest, da er der festen Überzeugung war, dass seine Mutter noch am Leben wäre.
Dies glaubte er damals und bis heute hatte sich daran nichts geändert.
Seine Mutter war eine wunderschöne Frau, von sehr großer, schlanker Statur. Über ihre Herkunft wussten die Steppenwäldler jedoch nichts, da ihre Hütte die erste in ganz Steppenwald war und sie selbst nie über ihre Vergangenheit sprach. Die Ähnlichkeit zu Onkel Alarion konnte jedoch niemand im Dorf leugnen. Dies war auch der Grund, warum von Beginn an niemand die Verwandtschaft von Alarion angezweifelt hatte.
„Ja, wo mag meine Mutter wohl sein?“, sprach Aldrian leise vor sich her.
Ein lautes Rülpsen von Norion, dem offenbar Ältesten, rüttelte Aldrian aus seinen tiefen Gedanken. Schließlich hatte er heute Geburtstag und wollte weiter den Worten der Gäste lauschen. Redensführer war währenddessen eindeutig Norion geworden, der ebenso eindeutig zuviel von dem vergorenen Traubensaft getrunken hatte. Er erzählte die folgende Geschichte, die bisher nur wenige kannten: „Wisst ihr eigentlich, warum euere Familien nach Steppenwald gezogen sind? Es ist nicht allerorts so friedlich, wie hier in Steppenwald. Es gibt Orte, die wahrlich fruchtbarer sind als die kargen Böden hier. Schon seit vielen Generationen wurden die Menschen gejagt, geplündert und versklavt! In den fruchtbaren Tälern in der Nähe von Hohrat ist dies selbst heute noch so. Auch in anderen Gegenden herrscht noch immer kein Frieden“, betonte Norion lautstark und sprach nach einer kurzen Pause weiter:
„Unsere Vorfahren zogen die Armut vor, um endlich in Ruhe zu leben. Daher sind viele hierher nach Steppenwald gekommen, um Zuflucht und Frieden zu finden. Der Vater meines Großvaters wusste noch Geschichten vom Volke der schrecklichen Vylaner zu berichten, welche sich mit den Ogern, Cwards und den Golems verbündeten. Diese zogen aus, um den Zwergen die Schätze und die Waffen zu rauben. Von den Elben raubten sie die Frauen und verkauften sie als Sklavinnen. Von den Menschen stahlen sie fast die gesamten Ernten, sodass alle in größter Not leben mussten! Die Heerscharen der Vylaner und ihrer Verbündeten waren einfach zu mächtig, zu viele, als dass die einzelnen Völker hätten Widerstand leisten können. Die Weisen jener Zeit sprachen von einem heiligen Bündnis unter den Elben, den Zwergen und den Menschen. Ein Fremder von königlichem Blute, aus einer fernen Zeit, sollte dieses Wunder vollbringen und alle Völker einigen, ha, ha, nur leider kam dieser Fremde nie und die Knechtschaft betrifft heute noch viele! Nur hier in Steppenwald ist Ruhe eingekehrt, da es bei uns nichts zu holen gibt, ha, ha, ha.“
Ein großer Schluck aus Norions Krug folgte und kurz darauf ein lautstarkes Rülpsen, das an das Brunftritual der mächtigen Elchbullen erinnerte.
Neugierig gesellte sich nun auch Alarion wieder zu den Gästen, um Norions Worten zu lauschen.
„Nehmt seine Worte nicht so genau“, bemerkte Claria, die Norion schon seit langem kannte.
Norion ließ sich jedoch nicht beirren und sprach weiter.
„Elben, Zwerge und Menschen vereinen, ha, dass ich nicht lache! Die Elben trieben zwar Handel mit den Zwergen, doch mochten sie deren unreines und vulgäres Benehmen nicht. Zwerge arbeiten stets am offenen Feuer und verbreiten daher oft üble Gerüche von Rauch, Schweiß und Schwefel in ihrer nächsten Umgebung. Nur ihre Bärte pflegen sie mit Achtung und Sorgfalt, so sagten die Elben. Doch ihre Schmiedekunst war es, die den Elben gefiel und die schon so manches wundersame Schwert und andere kunstvolle Dinge erschaffen hat. Es soll Schmiedemeister unter den Zwergen gegeben haben, die wahre Wunder vollbringen konnten. Zudem verbindet Zwerge und Elben auch noch die Kunst der Magie, auch wenn sie auf anderen Grundlagen beruht.
Die Zwerge ihrerseits mochten die Elben nicht so recht, da sie äußerst reinlich waren. Und die Elben hatten keine Bärte, was den Zwergen äußerst befremdlich war. Fast wie Weiber sehen sie aus, behaupteten einst die Zwerge. Die durchschnittliche Größe eines Elben betrug ein gutes Drittel mehr als die eines Zwerges, was den Zwergen ebenfalls missfiel. Achtung hatten die Zwerge allerdings vor der elbischen Zauber-, Heil- und Kampfkunst. Übrigens sagt man den Elben nach, dass sie unendlich alt werden sollen. Sie altern bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr ganz normal, danach jedoch scheint ein Stillstand einzutreten. Erst nach Jahrhunderten soll sich ihr Äußerliches langsam verändern, wobei >langsam< wörtlich zu nehmen ist. Durch ihr hohes Alter erlangen sie eine unvergleichliche Weisheit, die ihnen andererseits gleichzeitig beinahe angeboren scheint. Ihr Wissen über Kräuter und andere Dinge in der Natur half den Zwergen auch schon oft, wenn sie erkrankt waren“, gab Norion zu verstehen und nahm einen weiteren Schluck von seinem Getränk. Er rieb sich seine knollige rote Nase und erzählte weiter: „Auch Zwerge werden mehrere Jahrhunderte alt. Wie alt genau, vermochte noch niemand zu sagen. Doch die Weisheit der Elben erreichen sie laut Aussagen nur selten. Es ist zudem nicht bekannt, ob jemals ein Elbengreis existiert hat oder nicht. Dies erzählte der Vater meines Großvaters!“
„Ach, was erzählt der nur wieder, alles Märchen und alte Legenden“, war aus dem Hintergrund zu hören.
Doch Norion ließ sich nicht unterbrechen und sprach voller Überzeugung weiter. „Die Menschen wiederum liebten das Musikspiel und die Schönheit der Elben. Es wurde schon berichtet, dass gemischte Ehen eingegangen wurden. Genaueres weiß ich jedoch darüber nicht. Menschen und Elben wären also denkbar leicht zu verbünden, so glaube ich wenigstens. Nur die menschliche Gier und der kriegerische Zorn der Menschenvölker gaben den Elben schon immer zu denken. Auch die Vylaner sind ein Menschenvolk, wodurch sich die Elben in ihrem Urteil bestätigt sehen. Jedoch kommen die Vylaner aus dem hohen Norden und sind ein eigenes und rückständiges Menschenvolk, das nur vom Plündern und Versklaven lebt. Es gibt dieses Volk noch heute! Es wurde sogar davon berichtet, dass sie ihre Gefangenen essen sollen, wenn gerade nichts anderes vorhanden ist! Doch die Elben wussten natürlich auch, dass nicht alle Menschen gleich sind. Den Gedankenaustausch mit Weisen und Zauberern aus dem Menschenvolk schätzten die Elben sehr. Man erzählt sich sogar, dass Elben schon so manchem Magier oder Heilkundigem von ihrer Zauberkunst erzählten und dass sie ihre Zauberkünste teilten, wenn der betroffene Mensch die Macht der Magie in sich trug. Die Zwerge trieben hingegen schon lange regen Handel mit den Menschen und schätzten deren Güter seit Gedenken. Nur das Geschwätz über ihre Kleinwüchsigkeit und über ihre langen Bärte war den Zwergen von Anbeginn an ein Ärgernis. Die Menschen ihrerseits schätzten die Werkzeuge und Waffen sowie den geschmackvollen Tabak der Zwerge sehr. Ihre Belustigung über deren Größe konnten sie jedoch noch nie leugnen.“
„Ja, ja, die kleinen bärtigen Zwerge, davon hat doch schon jeder einmal gehört. In Steppenwald soll sogar vor vielen Jahren eine kleine Sippe für kurze Zeit gelebt haben. Es hieß, sie wären auf der Flucht gewesen und hätten hier überwintert. In der Nähe von Auenlicht sollen sie gehaust haben“, unterbrach Harion der Barbier.
Norion hörte zu und sprach dann weiter. „Wer soll bei all diesen Verschiedenheiten und bei all der Zwietracht diese Völker vereinigen? Wer soll denn wohl dieser arme König sein, der vor diese schier unlösbare Aufgabe gestellt werden soll? Ha, ich will mit dem nicht tauschen! Und zudem, wer weiß denn schon, was dran ist an den alten Legenden? Es wird zwar erzählt, dass Elben und Zwerge noch existieren sollen, doch so recht weiß das doch niemand. Auch die gemeinen und feigen Cwards sollen noch in kleinen Stämmen leben. Selbst die riesenhaften Oger sollen noch außerhalb von Steppenwald gesehen worden sein ... Ach, diese alten Geschichten, ja, ja ...“ Norion nahm noch einen kräftigen Schluck aus seinem neu aufgefüllten Krug und sein folgender Rülpser hätte so manche Elchkuh in größte Entzückung versetzen können. Dann sank sein Kopf auf den Tisch, und sägeartige Laute folgten in regelmäßigen Abständen. Einerseits waren die Gäste froh, dass nun endlich Ruhe war von den alten Geschichten. Andererseits war so mancher neugierig geworden, und einige schwatzten noch eifrig darüber.
Einige der Frauen tuschelten darüber, dass Alarion nach Norions Beschreibungen einem Elben nicht unähnlich war, ganz im Gegenteil. Als Alarion dies hörte, sagte er kurz und staubtrocken:
„Aber Elben haben doch spitze Ohren.“
Und alle konnten sich vor Lachen kaum noch auf den Bänken halten. Selbst Alarion konnte sich ein seltsames Lächeln nicht verkneifen.
Nur Aldrian war nun etwas nachdenklich geworden, denn unter Alarions dichter Haarpracht waren wahrlich zwei Ohren verborgen, die man nicht gerade als rund bezeichnen konnte. Da dies die anderen Gäste jedoch nicht wussten, wollte Aldrian darüber schweigen, was wiederum für seine Weisheit sprach.
Als Aldrian einen fragenden Blick zu seinem Onkel warf, kam ihm ein fast ängstlicher Blick entgegen und Aldrian wollte nun die Angelegenheit auf sich beruhen lassen.
„Mein Onkel ein Elb, wie kann ich nur so etwas glauben?“, sprach er leise vor sich hin.
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